Jean Maurice    * 11.12.2004


Erfahrungsbericht





Endlich!!!! Das letzte Ultraschall- Screening steht an. (ich bin nun in der 31. Schwangerschaftswoche)
Ich habe jedoch schon den ganzen Tag so ein seltsames Gefühl und zum ersten mal Angst vor dieser Untersuchung.
Erst Heute weiß ich das es wohl Intuition war....

Meine Frauenärztin Fr. Dr. Weber ist während der Untersuchung so still, seltsam......
(Frau Dr. Weber betreut mich schon seit mehreren Jahren und hat uns auch
in der Schwangerschaft mit unserem Sohn Justin betreut.)
Sehr genau schaut sie sich unser Baby (sehr wahrscheinlich ein Junge - Jean soll er heißen! ) an...........
"Irgendetwas stimmt doch nicht....." geht es mir noch durch den Kopf.
Dann kommt der Satz vor dem Sascha und ich furchtbare Angst gehabt haben: "Ich möchte sie gerne zur Untersuchung in eine Klinik überweisen. Es stimmt etwas nicht mit dem Herzen ihres Babys. Eine Herzkammer erscheint größer als die andere.
Wir vereinbaren gleich einen Termin."

Welche Gedanken schwirren einem Elternpaar in solch einem Moment durch den Kopf???
Das ließe sich in Worten nicht ausdrücken.
Ich fragte mich ab dieser Sekunde nur : WARUM? Warum unser Baby? Was kommt auf den kleinen Wurm noch zu?
Wird er ein gutes Leben führen? Kann er sogar jetzt in meinem Bauch sterben? Geht es ihm jetzt gut? .........

Angst und Ungewissheit begleiten uns auf den Weg nach Hause.

Aber erst einmal dürfen wir uns nicht verrückt machen.
Morgen feiert Justin seinen 2. Geburtstag. Sascha und ich sind uns einig: die Familie wird noch nichts erfahren.
Vielleicht ist ja doch alles in Ordnung mit unserem Baby....

Ein Telefonat mit meiner Hebamme Frau Al- Kabbani gibt mir neue Kraft.
Es tut einfach gut, mit ihr über den Verdacht meiner Ärztin zu sprechen.
Seit Justins Geburt pflegen wir einen guten Kontakt zu ihr und auch in dieser Schwangerschaft
gehe ich zu einigen Vorsorgeuntersuchungen zu Frau Al- Kabbani.

Heute steht die Untersuchung im Krankenhaus an:
Beim Fehlbildungssono im EVK wird bis auf verschieden große Herzkammern nichts Auffälliges festgestellt.
In zwei Wochen soll eine Kontrolle in Anwesenheit der Kinderkardiologin Frau Dr. Billenkamp erfolgen.
Wir sind erleichtert! Es scheint doch alles in Ordnung zu sein.

Kontrolle: Dr. Meyer untersucht gemeinsam mit einer Kinderkardiologin das Herzchen von Jean.
Auch Heute wird nichts Auffälliges festgestellt.

Erleichtert ziehe ich mich wieder an und warte auf den Ausdruck der Arztberichte.
Sascha musste sich bereits auf den Weg zur Arbeit machen.
Die Kinderkardiologin meldet sich telefonisch zurück!!!
Dr. Meyer berichtet mir, dass die Kinderkardiologin zur Sicherheit eine Lungenvenenfehlmündung ausschließen lassen möchte.
Wir sollen zur weiteren Untersuchung nach BONN!!!!
(ich bekomme eine Gänsehaut bei dem Gedanken wenn dieser Anruf nicht gewesen wäre!)

"Es steht ihnen frei, ob sie diese Untersuchung machen lassen" höre ich den Arzt noch halbwegs sagen.
So wirklich bekomme ich nichts mehr mit.
Wollen mich denn alle nur verrückt machen??? Was passiert hier????
GUT. Nun sind wir schon so weit gegangen und ich würde es mir niemals verzeihen wenn wir nicht Alles für unser Baby tun würden.

Also vereinbaren wir einen Termin in Bonn bei Prof. Dr. Gembruch. (welcher in höchsten Tönen gelobt wird!)

Es folgen lange, für uns anstrengende und psychisch belastende Untersuchungen.
Schließlich steht die Diagnose, erstellt durch Prof. Dr. Gembruch fest:

Totale Lungenvenenfehlmündung vom infrakardialen Typ!

Das bedeutet dass die Lungenvenen , die normalerweise an der linken Herzkammer angeschlossen sind,
in ein anderes Organ laufen (bei Jean in die Leber) und von dort aus in die falsche Herzseite.
Über uns bricht eine Welt zusammen. An Gespräche kann ich mich ab hier nur vage erinnern,
alles verlief für uns wie in einem Film...

Nun steht fest dass Jean ohne eine schnelle OP nach der Geburt keine Überlebenschance hat.
Ich muss also in einem Krankenhaus entbinden, wo die Möglichkeit einer schnellen Indikation gegeben ist.
Wir entscheiden uns für die Uniklinik in Bonn.

Am 7. Dezember werde ich stationär in Bonn aufgenommen. (160 Km von zuhause entfernt)
Zum ersten Mal muss ich meinen kleinen Sohn (zu der Zeit 2 Jahre) allein lassen.
Die erste Nacht ist schrecklich, ich weine die ganze Nacht und habe Angst vor dem was noch kommen mag.

Täglich werden zwei CTG´s gemacht, alle unauffällig.

Am 9. Dezember soll ein Wehenbelastungstest gemacht werden, um zu sehen ob Jean mit Wehen gut zurecht kommt.
Der Test verläuft gut.
Die Untersuchungen ergeben, dass der Muttermund noch geschlossen ist und der Gebärmutterhals noch bei 4cm steht.
Zitat:" Sie werden sicher übertragen."
Mein Gefühl sagt mir etwas anderes... und ich sollte recht behalten.

In dieser Zeit lerne ich Jutta kennen. Sie entbindet am 10.12. per Kaiserschnitt einen kleinen Jungen.
Auch ihrem kleinen Paul geht es gar nicht gut und unsere Ängste und Erfahrungen schweißen uns zusammen.
Wir teilen Freude und auch Tränen, die in dieser Zeit reichlich fließen.

Sascha kommt mich am nächsten Tag besuchen und bringt Justin und meine Mutter gleich mit,
ich freue mich riesig und kann mir die Tränen nicht verkneifen.
Wir haben einen sehr schönen Tag. Abends wollten wir gemeinsam essen, ich bekomme jedoch keinen Bissen runter.
Auf meinem Zimmer kommt Justin plötzlich zu mir, nimmt mich in den Arm und sagt: "Mama alles gute!"
Ich dachte sofort dass etwas in der Luft liegt....

18:00 CTG ....Wehen....Muttermund durchgängig....

Nun ist guter Rat teuer.....wie kommen mein Kleiner und Mama heim???

Sascha organisiert es, dass Justin und meine Mutter abgeholt werden.
Um 21 Uhr trifft Saschas Vater auf dem Klinikgelände ein und wir verabschieden uns von unserem Schatz.

Auf dem Weg zum Kreißsaal denke ich noch, es hat sich alles wieder beruhigt und ich habe wohl umsonst die Pferde scheu gemacht...

Kaum werde ich ans CTG angeschlossen, da platzt schon die Fruchtblase.
Das war etwa 21:20
Ich bekomme ein Funk-CTG weil ich den Drang hatte mich zu bewegen und einen neuen Zugang.
(der Zugang vom Wehentropf wurde mittags entfernt....)
Die Wehen werden sehr schnell heftiger und ich möchte mich nun doch aufs Bett setzen,
was bereits in den Kreißsaal geschoben wurde.
Kaum liege ich, da sind Jeans Herztöne weg!!!

Die Hebamme rät mir, mich auf die Seite zu legen, hält aber eine Hand bereits an der Infusion gegen die Wehen.
Ein Arzt steht schon Bereit für einen Not-Kaiserschnitt.
(Im Hintergrund steht schon für alle Fälle ein OP Team für eine Herzoperation bei Jean bereit.)

Ich denke die ganze Zeit: Nein, bitte nicht!!!! Bitte nicht!!!
Es dauert endlos lange bis die Herztöne wiederkommen.

Dann geht alles so schnell. Ich spüre Presswehen und die Hebamme kann gerade noch rechtzeitig alles nötige herbeiholen.

Um 0:03 (also am 11.12.2004) ist Jean da! mit 2740g und 46,5cm

Sascha und ich sind überglücklich! Es geht Jean erstaunlich gut.
Nach drei Stunden dürfen wir Jean auf der Neonatologischen Pflegestation besuchen.
Der Anblick der vielen Schläuche und die ständigen Alarme sind beängstigend.
Aber wir sind froh dass wir an seinem Bettchen sitzen dürfen, um ihn einfach stundenlang anzuschauen.
Seine Werte sind gut und er meistert alles prima!

Bis zum Morgen.... Jeans Sauerstoff- Sättigung ist ziemlich schlecht und die Ärzte raten uns
auch im Hinblick auf die bevorstehende OP zur Nottaufe.

Jean wird um 13:00 getauft.

Die nächsten Tage zeigt Jean welch ein starker Kämpfer er ist. Er atmet selbständig und benötigt selten zusätzlichen Sauerstoff.

Am 15.12. wird sein Herzfehler erfolgreich korrigiert.

Wir sind einfach unendlich dankbar dass es unserem Schatz heute gut geht!

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